Analysen

Sind Abstinenznachweise notwendig für die MPU?

Bei einer MPU mit der Fragestellung Alkohol oder Drogen wird meist ein sogenannter „Abstinenznachweis“ gefordert. Hierzu gibt es bei den Betroffenen erfahrungsgemäß offene Fragen zur Dauer der Abstinenz, anerkannte Labore, sowie geeignetes Probematerial. Schliesslich gibt es eine Auswahl zwischen Haar-, Urin- und Blutproben.

Wie ist eine Abstinenz in der MPU zu belegen?

Indem Sie im Vorfeld Ihrer MPU an einem Abstinenzkontrollprogramm teilnehmen. Dieses können Sie bei fast allen Begutachtungsstellen für Fahreignung (MPU-Stellen) durchführen. Außerdem bieten akkreditierte Labore und Ärzte mit entsprechender Fortbildung die so genannte forensische Diagnostik an, entsprechend der aktuellen MPU-Kriterien.

Die Überprüfung Ihrer Abstinenz geschieht mit Hilfe von „Screenings“, z. B. mit Haaranalysen oder Urinproben. Bei Drogenscreenings wird Ihr Haar oder Ihr Urin auf diverse Suchtmittel untersucht, entweder einfach oder erweitert, je nachdem ob eine Heroin Vorgeschichte bekannt geworden ist. Bei Alkoholscreenings wird lediglich auf den Abbaustoff Ethylglucuronid (EtG) untersucht.

Sollten alle Screenings im Laufe eines Kontrollprogramms negativ ausfallen (die entsprechende Substanz konnte nicht nachgewiesen werden), dann erhalten Sie eine Abschlussbescheinigung von der durchführenden Stelle und können diese bei Ihrer bevorstehenden MPU vorlegen.

Abstinenznachweis bei einer MPU wegen Alkohol

Früher reichten oft Leberwerte vom Hausarzt aus, um so seine Alkoholabstinenz nachzuweisen. Diese Methode ist bereits seit 2009 veraltet und wird nicht mehr akzeptiert. Die Kriterien zum Bestehen der MPU werden nämlich regelmäßig aktualisiert und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst (zuletzt 2014).

Bei einer MPU wegen Alkohol hängt die nachzuweisende Abstinenzdauer von der Ausprägung Ihrer früheren Alkoholproblematik ab. Wichtige Indikatoren sind z. B. wie viel und wie oft Sie Alkohol getrunken haben, wieviel Promille am Tattag festgestellt wurden, was Ihre Trinkmotive waren und ob Sie trotz negativer Folgen Ihres Alkoholkonsums weiter konsumiert haben. Aus der Aktenlage einer Trunkenheitsfahrt allein lässt sich noch nicht sicher sagen, ob und wie lange Sie Alkoholscreenings sammeln müssen. Eventuell kommt auch Kontrolliertes Trinken für Sie in Frage, wobei keine Analysen erhoben werden müssen. Hierzu beraten wir Sie gerne, am besten persönlich unter Vorlage aller wichtigen Unterlagen (Führerscheinakte, Polizeiberichte und Gerichtsurteile).

Abstinenznachweis bei einer MPU wegen Drogenkonsum

Falls Sie mit Drogen auffällig geworden sind und deshalb zur MPU müssen, dann brauchen Sie immer einen Abstinenzbeleg, um die MPU zu bestehen. Das heißt, Sie müssen konsequent auf den Konsum von Drogen verzichten. Eine Ausnahme bilden hier nur Medizinal Cannabis Patienten. In der Regel benötigen Sie einen Nachweis von einem Jahr. War die Drogenproblematik nicht besonders stark ausgeprägt, dann reichen unter Umständen auch Abstinenznachweise von 6 Monaten., z. B. wenn Sie „nur“ gelegentlich THC konsumiert haben, oder Ihre Drogenerfahrung in einem kurzen Zeitraum gemacht haben.

Abstinenznachweis bei einer MPU wegen Medikamente

Problematisch sind unter anderem Fälle, in denen der Betroffene aufgrund von Erkrankungen z.B. ärztlich verschriebene (morphinhaltige) Präparate zur Linderung von Schmerzen oder ähnliches einnehmen müssen. Es gibt Betroffene die nicht in der Lage wären, ohne die Einnahme dieser Schmerzmittel ein Fahrzeug zu führen. Aus der Anlage der Fahrerlaubnisverordnung ergibt sich, dass die Fahreignung auch durch die Dauerbehandlung mit Arzneimitteln ausgeschlossen sein kann, soweit hierdurch die Leistungsfähigkeit zum Führen von Kraftfahrzeugen erheblich beeinträchtigt ist. Damit ist im Einzelfall zu prüfen, ob durch die Einnahme von Arzneimitteln die Leistungsfähigkeit fahreignungsrelevant herabgesetzt wird.

Es muss nämlich konkret gefragt werden, ob und inwieweit die Fahreignung aus verkehrsmedizinischen und- psychologischen Sicht beeinträchtigt ist oder ob ggf. eine missbräuchliche Medikamenteneinnahme vorliegt. Folglich muss bei solchen Sachverhalten stets eine Einzellfallbeurteilung stattfinden. Dementsprechend muss gefragt werden, ob bspw. die Einnahme von Arzneimitteln verkehrsrelevante Auswirkungen mit sich bringt, ob eine Grunderkrankung vorliegt usw. Auch soll Berücksichtigung finden, inwieweit z.B. die Medikamenteneinnahme überwacht wird und ob der Betroffene das Gefährdungspotential ausreichend einschätzen kann. Wir können mit Ihnen im Vorfeld klären, welche Kriterien Sie zu erfüllen haben um die MPU zu bestehen.

Abstinenznachweis allein reicht nicht zum Bestehen der MPU

Viele Betroffene glauben, dass zum Bestehen der MPU ein Nachweis der Abstinenz völlig ausreichend ist. Dies stimmt so nicht! Der Abstinenznachweis, den Sie in Ihrer MPU vorlegen, dient lediglich dazu, Ihre „Geschichte“ glaubhaft zu machen. Im Grunde sagt der Beleg Ihrer Abstinenz nur etwas über die vergangenen Monate aus, nämlich dass Sie es in diesem Zeitraum geschafft haben, auf den Konsum zu verzichten.

Entscheidend in der MPU ist allerdings, ob Sie es schaffen, auch in Zukunft auf den Konsum zu verzichten. Und diese Frage können Sie nicht mit den Abstinenznachweisen beantworten. Hier müssen Sie zeigen, dass Sie sich intensiv mit Ihrer Vergangenheit und den Ursachen Ihres Konsums auseinander gesetzt haben.

Am besten nutzen Sie die Zeit, die Sie für die Durchführung des Abstinenzkontrollprogramms benötigen, für eine intensive MPU Vorbereitung. Sie sollten es vermeiden, sich erst kurz vor Ihrer MPU mit Ihren Delikten und Ihrer Vergangenheit zu beschäftigen.

KOSTEN

DROGENSCREENING PROBE PREIS
Standard = Amphetamine, Cannabis, Cocain, Opiate, Benzodiazepine, Methadon Urin 95,-
Erweitert = Standard + opioide Analgetika (Buprenorphin, Tilidin, Tramadol) Urin 120,-
Standard = Amphetamine, Cannabis, Cocain, Opiate, Benzodiazepine, Methadon Haar 180,-
Erweitert = Standard + opioide Analgetika (Buprenorphin, Tilidin, Tramadol) Haar 240,-
ALKOHOLSCREENING
ETG (Ethylglucuronid) Urin 80,-
ETG (Ethylglucuronid) Haar 165,-
ALKOHOL + DROGEN KOMBINIERT
Drogenscreening Standard + ETG Urin 145,-
Drogenscreening bei vorbekanntem Opiatkonsum + ETG Urin 170,-
Drogenscreening Standard + ETG Haar 300,-
Drogenscreening bei vorbekanntem Opiatkonsum + ETG Haar 370,-
Einzelsubstanz Haar 85,-
MEDIKAMENTENSCREENING
Psychoaktive Medikamente im Harn (Barbiturate, Neuroleptika, Antidepressiva..) Urin 80,-